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Wintersonnenwende, Weihnachten und die Raunächte

Dass ich den Jahreskreis leben kann, schätze ich an meinem besonderen Beruf sehr. Umso mehr, da es nicht immer so war. Ich genieße die Zeit der Stille, der inneren Ruhe und des Rückzugs besonders in den Raunächten, den zwölf heiligen Nächten von 24. Dezember bis 5.Jänner. Während dieser Zeit habe ich das Gefühl, die Natur bleibt stehen. Stille kehrt in vielen Häusern ein und viele haben in dieser Zeit frei. Es wäre sinnvoll, diese Zeit für sich und nicht für Äußerlichkeiten zu nutzen.  So wie wir uns in dieser Zeit auf das kommende Jahr vorbereiten, so wird es sich auch gestalten. Leider ist der alte Brauch, diese Zeit ganz bewusst zu leben, sehr in den Hintergrund gerückt worden. Noch gibt es die Jahreskreisfeste, die nach den Sonnenfesten und Mondfesten ausgerichtet sind. Die zwölf heiligen Nächte und elf heiligen Tage sind außerhalb dieser Zeiten entstanden. Wegen dieser Einzigartigkeit werden die Raunächte auch als magischer oder mystischer Zeitraum empfunden. Die Sehnsucht vieler Menschen, nach dem Althergebrachten, nach Ritualen und Bräuchen zu leben, ist spürbar. Auch meine Natürlichkeit, die Einfachheit die ich lebe, bewundern viele Menschen und sehnen sich danach, vom Alltagstrott auszusteigen.

So wie die Natur an ihrem absoluten Nullpunkt ankommt und geradezu still steht, so sollen auch wir Menschen uns vollständig zurückziehen, ruhig werden und bei uns selbst ankommen. Wir sollten das alte Jahr abschließen und hinter uns lassen. Es ist Zeit für Reinigungsprozesse im Haus, aber auch für unseren Körper und Geist. Reinigungsrituale und Räucherungen mit vielen heimischen Kräutern sind zu empfehlen. Meine Tante erzählte mir immer wieder, dass genau in diesen Tagen mein Großvater das Wetter gelesen hat. Gespür und Erfahrungen sind notwendig, um die Zeichen der Natur und somit das Wetter für das kommende Jahr richtig deuten zu können. Für jeden einzelnen Tag in den Raunächten steht ein Monat, und für jede Stunde ein Tag. Die erste Raunacht vom 24. auf den 25. Dezember entspricht dem Jänner, die zweite dem Februar usw. 

Am 21. Dezember, ist Wintersonnenwende, der kürzeste Tag und die längste Nacht. Die Wintersonnenwende ist die Rückkehr und Wiederkehr der Sonne und des Lichtes, um die Menschen zu wärmen und die Natur zu erwecken. Die Natur beginnt wieder zu keimen, auch wenn es kalt und frostig ist, und der Schnee mancherorts eine Decke darüber legt. Es ist die Zeit, die Wiedergeburt des Lichtes in uns zu sehen und zu erkennen, so kann in uns selber Neues geboren werden. Weihnachten ist das Fest der Liebe, das Fest, um in jedem Menschen ein Licht zu entzünden und zum Leuchten zu bringen. 

Die Wintersonnenwende ist eines der wichtigsten Naturphänomene im Jahreskreis. Räucherungen, Sonnenkräuter, Heilkräutertee und Gewürze, können uns in diesen Tagen besonders begleiten und unterstützen.

Zum Ausräuchern empfehle ich:

  • Wacholder, denn er wirkt keimtötend und desinfizierend.
  • Die Mistel verwandelt negative in positive Schwingung.
  • Der Beifuß ist eine der wichtigsten heimischen Schutz- und Heilpflanze zum Ausräuchern, er unterstützt Veränderungen im Leben und hilft beim Loslassen. Fichtenharz beruhigt den Geist und lässt tief durchatmen.  
  • Weihrauch wirkt segnend und bringt die Kräfte wieder ins Gleichgewicht.
  • Myrrhe, denn sie wirkt ausgleichend und unterstützend.

Sonnenkräuter wie Johanniskraut, Kamille, Lavendel, Holunder, also Heilpflanzen, die zur Sonnenwende geerntet wurden, sind stimmungsaufhellend und helfen uns, in den düsteren Tagen das Licht in uns zu sehen. Wenn Sie zu Maria Himmelfahrt einen Kräuterbuschen gebunden haben, können Sie damit in den Raunächten das Haus ausräuchern.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein Fest der Freude und des Lichtes, und hoffe, dass Sie während der Raunächte ganz bewusst beobachten können, was in der Natur geschieht.

Kräuterpädagogin Monika Kronsteiner,
1. Zentrum für Traditioneller Europäischer Medizin der Marienschwestern von Karmel in Bad Kreuzen