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Wermut - Eine bittere Medizin

Kräuterkolumne

Ein Bitterling sondergleichen ist der Wermut. Diese Bitterkeit verspürt man bereits, wenn man nur an der Pflanze riecht. Bitter macht fitter, so lautet die Botschaft des Wermuts, der unsere Lebensgeister erweckt. "Wermut ist für alles gut", sagt ein alter Volksspruch. Ich kann selbst bestätigen: Er ist ein Meister für viele Wehwehchen und vor allem gegen Erschöpfung.

Natürlich ist die Dosis wichtig, damit er gut schmeckt, aber nicht den Körper überfordert. Bei der Zubereitung des Tees darf man nur ganz wenig von dem Bitterkraut verwenden, ein halber Teelöffel ist ausreichend, dann schmeckt er auch gut. Der Tee darf auch nur 1-2 Minuten ziehen, damit die Gerbstoffe, die unser System belasten, nicht zu stark hervorkommen. Falls er zu hoch dosiert ist, bitte mit Wasser verdünnen. Ich empfehle Wermut auch für Teemischungen, so schmeckt der Tee nicht so herb, und der Körper holt sich sowieso die Pflanzenwirkstoffe, die er gerade benötigt.

Das Bittere ist vielen Menschen gar nicht lieb, doch es ist wichtig. Wermut ist das richtige Mittel, wenn uns etwas auf den Magen geschlagen ist, die Galle überläuft, wir etwas nicht verdauen können, wir auch im übertragenen Sinne bitter und gallig sind. Bei Schwermut und schwer Verdaulichem ist Wermut die richtige Heilpflanze, da die Bitterstoffe die Produktion aller Verdauungssäfte anregen. Er unterstützt Magen, Bauchspeicheldrüse und Leber und ist bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Blähungen zu empfehlen. Wer Probleme mit den Verdauungsorganen hat, keinen Appetit oder das Gefühl, das Essen liege wie Blei im Magen, sollte Wermuttee trinken oder eine Tinktur verwenden.

Wermut ist eines der wichtigsten Heilkräuter der Hildegard-Medizin. So schrieb die heilige Hildegard von Bingen: „Der Wermut ist sehr warm und kräftigt. Und wenn irgendein Mensch in der Brust und um die Brust Schmerzen hat, salbe ihn auf der Brust damit, und es heilt ihn innen und außen.“ Wermut wärmt, denn er fördert die Durchblutung. Innerlich angewendet führt das zu einem angenehm entspannenden Gefühl in der Magengegend - sobald der bittere Geschmack nachlässt. Auch äußerlich haben die Menschen früher diese durchwärmende Wirkung genutzt und Wermut gegen Frostbeulen und kalte Füße genutzt. Das Öl hilft auch bei Husten, Bronchitis und Grippe. Dafür einige Tropfen ein- bis mehrmals täglich über dem Brustbein und den Rücken einreiben.

Wermutöl: 50 g Wermutkraut in ein Schraubdeckelglas geben, mit 125 ml Olivenöl übergießen, 3 Wochen lang an einen warmen Ort stellen und dann durch ein feines Sieb gießen. In der kalten Jahreszeit vor dem Zubettgehen die Füße damit massieren oder – noch besser - sich massieren lassen. Auch der Wermutwein, bzw. Maikur, ist ein altes bekanntes Heilmittel, das heute wieder oft genutzt wird. Dieser Heiltrunk unterdrückt die Melancholie, stärkt von innen, macht die Augen klar, wärmt den Magen und bereitet eine gute Verdauung.

Wermut stärkt und wärmt. Er hilft uns, uns gut auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Entdecken Sie die wunderbaren Heilkräfte des Wermuts. Wenn Sie ihn öfter trinken, werden Sie merken, dass Schweres leichter verdaut werden kann, auch im übertragenen Sinn. Neuer Schwung und Genussfreude stellen sich ein.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen