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Weißdorn

Kräuterkolumne

Mit seiner üppigen, meist weißen Blütenpracht ist der Weißdorn jetzt kaum zu übersehen. Er ist der Herzkönig der Heilkräuter, denn er stärkt und schützt das Herz.

Mit seinem eher unangenehmen, bittermandelähnlichen Geruch drängt sich das eigentlich bescheidene Rosengewächs sehr in den Vordergrund. Im Volksmund wird der Weißdorn auch Hagedorn, Christdorn, Heckendorn, Mehldorn, Edeldorn oder Zaundorn genannt. Er ist ein ausdrucksstarker Busch mit spitzen, dornigen und meist stark verzweigten Ästen, der überstrapazierten Herzen zur Seite steht.

Mit ihm wurde uns von der Natur ein Wegbegleiter zur Verfügung gestellt, der Kraft, Schutz, Stärke, aber auch ein offenes Herz für neue Perspektiven schenken kann. Ich durfte selber meine Erfahrungen mit dieser wunderbaren Heilpflanze machen. Der Weißdorn öffnete mir das Herz für all meine Fähigkeiten und Talente, die Gott mir geschenkt hat und stärkte meine Nerven. Nun hat mein Leben eine ganz andere Qualität. Ich musste nur Gottes Gaben, die im Garten wachsen, sehen, erkennen und wertschätzen lernen. Wenn ich den Strauch heute betrachte, verraten mir schon seine dornigen, stark verzweigten Äste, was für eine Kraft, Ausdauer und Stabilität in dieser Pflanze steckt. Sebastian Kneipp war ein großer Fan des Weißdorns, der sehr unterstützend bei Müdigkeit, Lustlosigkeit, niedrigem Blutdruck, Herzschwächen, Kreislaufschwächen, Einschlafstörungen und bei allgemeiner Nervosität wirkt. Daher sollte Weißdorn über einen längeren Zeitraum – etwa zwei bis drei Monate - getrunken werden, damit sich der Kreislauf stabilisiert und die Nerven neuen Schwung bekommen. Er ist wirklich ein Herzkönig - für die gestresste Gesellschaft und die überstrapazierten Herzen.

Der Weißdorn ist in lichten Au,- Laub- oder Nadelwäldern vielfach am Rande anzutreffen, wächst aber auch in Gärten, am Rand großer Parkanlagen und in Naturhecken. Viele Singvögel nisten in seinen Zweigen, weil sie sich darin sehr wohl fühlen. Auch uns Menschen spendt er Freude und vertreibt Langeweile wie Trübsinn. Er gilt als Baum der Feen, soll vor bösen Geistern schützen und ebenso vor Blitz und Sturm, wenn man ihn vor sein Haus pflanzt. Bei den alten Kelten war der Weißdornbaum heilig, wehe dem, der ihn fällte! Als Schutzbaum wurde er in der Nähe von Siedlungen angepflanzt, um das Glück anzuziehen.

Die Blätter, Blüten und Beeren des Weißdorns haben eine stärkende Wirkung auf den Herzmuskel und bei Kreislaufbeschwerden. Besonders für ältere Menschen, denen der Weißdorn das Herz belebt und pflegt, aber auch für jüngere stressgeplagte Menschen, ist der Weißdorn eine wunderbare Vorbeugung gegen eine frühzeitige Abnutzung des Herzmuskels. Jedoch muss man gerade bei Herzerkrankungen die Einnahme von Weißdorn unbedingt mit dem Arzt besprechen und ihn nicht selbst oder bei anderen ausprobieren. Am wirksamsten ist die Pflanze zur Blütezeit, denn dann enthält sie die meisten Wirkstoffe.

Der Weißdorn blüht im Mai und Juni, zu dieser Zeit werden auch die Blüten und Blätter gesammelt. Diese können als Tee, Tinktur oder Weinansatz verwendet werden. Die Früchte werden von September bis November geerntet, etwa für eine Marmelade oder ein Beerenmus. Auch Saft oder Likör kann aus den Beeren zubereitet werden, die sehr viel Vitamin C besitzen. Beim Räuchern bewirkt Weißdorn eine Reinigung. Früher wurden Kranke mit Weißdorn beräuchert, damit sie ihre Krankheiten abschütteln. Die getrockneten Früchte werden als Räucherwerk verwendet, wenn etwas mehr Dynamik ins Leben gebracht werden soll, wenn wir Einsicht in ein Problem suchen oder allgemein eine größere Klarheit des Denkens wünschen.

Suchen und entdecken Sie den Weißdorn, mit all den wertvollen Gaben, die er in sich trägt. Er ist der Begleiter für Körper, Geist und Seele. 

Monika Kronsteiner,
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen