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Wegwarte - die Blume, die ewig auf uns wartet

Kräuterkolumne

Ihr blaues Licht an Wegkreuzungen hat schon vielen Menschen geholfen, zum rechten Zeitpunkt den richtigen Weg einzuschlagen. Die Wegwarte ist nicht nur schön anzusehen. Sie ist auch eine wertvolle, etwas in Vergessenheit geratene Heilpflanze, die uns jeden Tag aufs Neue Geduld lehrt.

Wenn ich an dieser leuchtend blauen, sternförmig zarten Blüte vorbeikomme, erinnere ich mich an die vielen Sagen und Mythen über diese Pflanze. So ist die Wegwarte der Legende nach eine verzauberte Jungfrau, die am Wegrand auf die Rückkehr ihres geliebten Ritters wartet. Als dieser aus dem Krieg nicht zurückkehrt, und die Jungfrau sich weigert, ihre Hoffnung aufzugeben, verwandelt sie der Himmel in die wunderbar blühende Wegwarte.

Oft wird die Wegwarte auch als Verkörperung der blauen Blume bezeichnet, die zum Symbol der Sehnsucht und Liebe wurde. Ihre bevorzugte Lage am Wegrand macht sie zum Sinnbild aller Wartenden, so sagt die Blume dem geliebten Menschen: „Ich warte ewig auf dich“. Sie steht noch heute da am Wegesrand, die schöne blaue Wegwarte und ab und zu auch eine weiße. Noch immer gehören sie zu den Wegbegleitern der Wanderer und Reisenden und weisen mit ihren Blüten den Weg. Schon Pfarrer Kneipp sagte: „Die Wegwarte wartet wirklich an jedem Weg auf dich, um dich gesund zu machen“.
Im Volksglauben besaß die Wegwarte eine große Zauberkraft. Allein wenn ich über die Blüten streichle, verspüre ich ein Gefühl der Sanftheit, des Glücks und der Ruhe. „Nimm dir Zeit, ich stehe am Wegrand, lass dich einfach in mein Gefühl von Blättern, Stängeln und immer wieder blühenden Blüten fallen. Gib deiner Seele die Zeit, sich auch zu öffnen und du wirst den Zauber spüren. Ich gebe dir den mütterlichen Schutz. Deine Liebe zu dir selbst wird in dir Gefühle wecken, und du wirst beginnen, das Wesentliche zu erblicken.“ Das spricht die Wegwarte zu uns, wenn wir sie erkennen und wieder für uns entdecken. 

Der blaue Korbblütler wächst vor allem am Wegesrand, auf Wiesen und Böschungen, auf Schotterwegen und Brachland. Ihre leuchtende hellblau-violette Färbung brachte der Wegwarte im Laufe der Zeit verschiedenste Namen wie Sonnenzwiebel, Hansel am Weg, Sonnenwedel, Zigeunerblume, Zichorie oder blaue Wegleuchte. Die Wegwarte ist eine der insgesamt acht Arten der Pflanzengattung Zichorie, unter denen auch der Endivien-Salat, Chicoree und Radicchio vertreten sind. Die Wegwarte blüht zwischen Juli und Oktober und wird bis zu 1,20 Meter hoch. Blätter und Blüten der Wegwarte werden im Juli und August gesammelt, während die Wurzeln erst im Spätherbst geerntet werden. Besonders auffallend ist, dass sich die Pflanze, wie eine Sonnenuhr, nach der Sonne richtet. So öffnet sie am frühen Morgen im Osten ihre Blüten und wendet sich der Sonne zu. Wenn am Nachmittag die Sonne im Westen wieder untergeht, schließen sich auch die Blüten der Wegwarte wieder. Ihre vielen wichtigen Inhaltsstoffe machen die Wegwarte zu einer interessanten Heilpflanze. Sie zielt besonders auf die inneren Organe des Menschen und wirkt blutreinigend, stärkend, beruhigend, verdauungsfördernd und anregend. Somit wirkt diese Heilpflanze bei einer großen Anzahl an Erkrankungen.

In der Volksmedizin wurden die blauen Blüten zur Heilung von Schwermut und Melancholie verwendet und galten auch als Heilkraut für die Augen. Die Wegwarte wurde zur Reinigung von Körper und Seele verwendet.

Als Nahrungspflanze ist die Wegwarte vor allem älteren Menschen noch als Zichorienkaffee oder Kaffee der Armen  bekannt, ein in Kriegszeiten häufig verwendeter Kaffeeersatz. Für die Herstellung des Kaffees schneidet man die Wurzel in kleine Stücke und trocknet sie, anschließend werden sie langsam ohne Fettzugabe geröstet. Die gerösteten Wurzelstücke werden gemahlen und können dann wie Bohnenkaffee aufgebrüht werden.

Die Wurzel kann zudem gekocht und in Saucen als Würzmittel verwendet werden.

Essbar sind auch die Blätter der Pflanze, die klein gehackt roh oder gedünstet schmecken.

Die Wegwarte ist ein gutes und gleichzeitig gesundes Gemüse. Sie sollte auch im naturnahen Garten ein Zuhause finden.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, bewusst wahrzunehmen, was uns Mutter Erde am Wegesrand so schenkt.

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen