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Spitzwegerich

Kräuterkolumne

Als wahrer Erstversorger ist der Spitzwegerich für uns immer zur Stelle, wenn wir ihn brauchen. Darum gilt diese uralte, höchst angesehene Heilpflanze auch als König der Kräuter in den Wiesen. Kaum jemand weiß jedoch, dass der Wegerich einst auch eine heilige Pflanze war und als reine Medizin angewendet wurde. Noch heute wird er Meister der Lunge genannt, der Wunden heilt und Schleim wandelt.

Ich lernte den Spitzwegerich schon als Kind kennen. Bei kleineren Verletzungen und Insektenstich hat er immer wunderbar gewirkt, und auch im Hustentee durfte Spitzwegerich nicht fehlen.

Er ist eine sehr genügsame und ausdauernde Pflanze, die am Wegesrand und in Wiesen gedeiht. Wir können sogar auf ihm herumtrampeln, und trotzdem wächst er weiter und gedeiht prächtig. Was da für eine Kraft dahintersteckt!

Der Spitzwegerich ist als Wundkraut ein wichtiger Begleiter in der Natur. Es hilft sofort bei Insektenstichen und frischen Verletzungen wie Schürfungen oder Schnittwunden, Spitzwegerichblätter etwas zu zerreiben oder zu zerkauen, und auf die wunde Körperstelle aufzutragen.

Bei größeren Verletzungen rate ich, die Blätter zu zerquetschen oder gleich einen frisch gepressten Saft zuzubereiten, und damit die Wunde einzureiben, bzw. den Saft einziehen zu lassen. Bei Abszessen und Akne kann auch eine Kompresse zubereitet werden, indem man eine Handvoll Spitzwegerich mit 1 Tasse Wasser kurz aufkocht, zehn Minuten ziehen lässt und auf die betroffene Stelle auflegt. Er ist wahrlich ein meisterlicher Wundheiler.

Natürlich kennen wir Spitzwegerich auch als Hustensaft, der in den Apotheken sehr gerne angeboten wird, oder selbst zubereitet werden kann. Seine vielen wertvollen Inhaltsstoffe wie Schleim, Bitterstoffe, Flavonide, Kieselsäure und Aucubin machen den Spitzwegerich in erster Linie zu einer Heilpflanze gegen alle Erkrankungen der Atemorgane, besonders bei starken Verschleimungen, Husten, Keuchhusten und für Lungenkranke. Der Spitzwegerich räumt die Lunge auf und gibt ihr Kraft.

Eine Teemischung zur Unterstützung der Lunge aus Spitzwegerich, Brennnesselblättern, Lungenkraut, Huflattichblättern und -blüten sowie Schafgarbe kann ich sehr empfehlen. Bemerkenswert ist, dass der Spitzwegerich auf zinkhaltigem Boden, Zink zu speichern beginnt, worauf seine auswurffördernde, hustenreizstillende Wirkung zurückzuführen ist.

Hustensirup: Schichtweise in ein Glas zerkleinerten Spitzwegerich und Rohrzucker oder Honig geben. Diesen Vorgang solange wiederholen, bis das Glas gefüllt ist. Das Glas verschließen und ca. 6 Wochen bei Raumtemperatur stehen lassen, dann den Sirup abseihen und im Kühlschrank aufbewahren. Dieser Hustensirup kann jetzt auch mit Maiwipferl, Tanne oder Fichte ergänzt werden oder/und mit Thymian und Quendel.

Der Spitzwegerich ist aber auch ein köstliches Nahrungsmittel. Seine jungen Blätter schmecken in Salaten, Aufstrichen, Suppen sowie Soßen und können wie Spinat gedünstet oder gekocht werden. Auch die jungen Knospen vor der Blüte schmecken köstlich.

Genießen Sie die Heilkraft der Natur und entdecken Sie selbst, welch wertvolle Wirkung jede einzelne Pflanze in sich trägt.

Monika Kronsteiner,
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen