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Nelkenwurz

Kräuterkolumne

Immer wieder begegnet mir eine einzigartige Pflanze mit zarten gelben Blüten. Besonders im heurigen Jahr ist die Nelkenwurz in und um Bad Kreuzen häufig anzutreffen. So stellte sich mir die Frage, was das wohl zu bedeuten hat. Es heißt ja immer so schön, dass uns die Pflanzen suchen, die wir besonders brauchen. Dabei müssen wir die Heilwirkung dieser Pflanzen gar nicht wissen, sondern wir sollen darauf achten, was die Pflanze mit uns macht, was sie bewirkt und welche Botschaft sie uns dadurch mit auf den Weg gibt. Tatsächlich hat mich die wunderbare Nelkenwurz in den letzten Wochen unterstützt.

An Wegrändern, Naturhecken, Gebüschen und an Mauern ist die eher unscheinbare Wildpflanze häufig zu finden. Sie wird auch Hasenauge, Heil aller Welt, Igelkraut, Benediktenwurz oder Nägleinkraut genannt. Diese eher unbekannte Pflanze war früher eine wichtige Heil- und Gewürzpflanze, die sogar in vielen Gärten angebaut wurde. Den Namen Nelkenwurz verdankt sie ihrer Wurzel, die leicht nach Nelken riecht. Die Wurzel wird im Frühjahr und im Herbst geerntet, das Kraut mit den Blüten im Juni und Juli. Die ausdauernde und schnellverbreitende Pflanze wird bis zu einem Meter hoch. Jetzt trägt sie kleine gelbe Blüten, die ein wenig an Hahnenfuß erinnern, aber deutlich kleiner sind. Aus den Blüten entwickeln sich igelartige Stachelkugeln, in denen die Samen sitzen.

Die Nelkenwurz unterstützt uns Frauen bei Blutungen, Regelschmerzen und Weißfluss, da sie blutstillend und schmerzlindernd wirkt. Auch für Venenleiden, schwere Füße, bei Entzündungen von Schleimhäuten sowie Magen- und Verdauungsstörungen leistet die Nelkenwurz ihre Dienste. Heil aller Welt wird sie gerne genannt, weil sie innerlich und äußerlich bei schlechtheilende Wunden gut wirkt.

Nelkenwurz Tee stärkt den ganzen Körper, insbesondere das Herz. Er kräftigt schwächliche Menschen, lindert Schmerzen und unterstützt die Nerven. Ich empfehle Ihnen besonders, die Wurzel als Abkochung zu trinken, da hier auch wertvolle Bitterstoffe enthalten sind. Die dicke, innen rötliche Wurzel, hat einen angenehmen nelkenartigen Geruch und einen bittereren, etwas herben Geschmack.

Sie wirkt u.a. adstringierend, antibakteriell und entzündungshemmend. Dazu kann ein Nelkenwurz Wein zubereitet werden: Die Wurzeln in einem guten Weißwein ansetzen, 9 Tage bei Zimmertemperatur stehen lassen, abseihen und bei Bedarf ein Likörglas trinken. Dieser Wein unterstützt die Verdauungsorgane in besonderer Weise. Es kann auch eine Tinktur mit Kornschnaps zubereitet, oder die getrocknete Pflanze für einen Tee verwendet werden. Das Kraut hat im Tee ein aromatisches, liebliches Aroma, das auf mich sehr angenehm wirkt. Die jungen Triebe der Nelkenwurz finden in Salaten und Gemüse als Gewürz Verwendung.  

Genießen Sie diese wunderbare Zeit mit vielen Pflanzenbegegnungen und lassen sie sich immer wieder aufs Neue von der Natur inspirieren.

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen