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Melisse - sanfte Medizin für Körper und Seele

Kräuterkolumne

Sie ist anpassungsfähig und von gutem Geschmack. Melisse, das ist sanfte Medizin für Körper und Seele. Wegen ihres zitronenartigen Geruchs, der beim Zerreiben der Blätter freigesetzt wird, wird sie meist Zitronenmelisse genannt. Natürlich hat auch diese Heilpflanze noch viele weitere Namen, wie Nervenkräutel, Frauenwohl, Herztrost, Zitronenkraut oder Bienenkraut. Wer Melisse im Garten hat, der hat sie reichlich, denn sie liebt einen humusreichen, feuchten Boden mit viel Sonnenlicht. Hildegard von Bingen schreibt, dass die Melisse fröhlich mache, weil sie warm ist.

Wer sie isst, der lacht gerne, weil die Wärme die Milz beeinflusst und daher das Herz erfreut. Paracelsus nannte das Kraut Lebenselixier und stellte spagirische Arzneien aus Melisse her. Ob als Tee, Tinktur, Hydrolat, Öl, oder in Speisen verarbeiten, Melisse ist eine beliebte Heilpflanze. Sie beruhigt, wirkt entkrampfend und wir überall dort genutzt, wo die rhythmischen Abläufe gestört wurden. So wird sie bei Schlafstörungen, Herzbeschwerden, Unruhezuständen, Frauenleiden, Magen-Darm-Problemen, Depression oder Erkältungskrankheiten eingesetzt. Ich verwende sie sehr oft zur Unterstützung des Nervensystems und staune immer wieder, welche Heilkraft diese einfache Pflanze in sich trägt.

Die Signaturenlehre lehrt uns, dass wir allein durch die Betrachtung einer Pflanze ihre Heilkraft herauslesen können. In der Volksheilkunde gehört Melisse zu den Kräutern, die bei fast allen Beschwerden verwendet werden. Sie gleicht alles aus und bringt es in die Mitte, alles kommt wieder ins Lot. Dank ihres guten Geschmacks bietet sie sich als Haus- oder Genusstee an und ist zugleich auch eine gute Medizin.

Abends hilft uns Melisse, zur Ruhe zu kommen und gut einzuschlafen, morgens hingegen belebt und erfrischt sie und gibt uns Stärke. Das ist kein Widerspruch, denn Entspannung und Kräftigung passen durchaus zusammen.

Auch äußerlich kann Melisse bei Nervenentzündungen, Geschwüren oder Insektenstichen als Umschlag oder für Bäder verwendet werden. Sehr unterstützend bei rheumatischen Beschwerden, Gliederschmerzen und Prellungen ist der bekannte Melissengeist. Ich bevorzuge Melissenöl in meiner Naturkosmetik als Lippenbalsam zur Vorbeugung, aber auch zur Heilung von Herpes.

Melisse wird gerne für Räucherungen verwendet, da sie sehr schnell Stimmungen verbessert, heiter macht und die Nerven entspannt. Eine Melissenräucherung hilft beim Einschlafen und stärkt die Abwehrkräfte. Der zitronenartige Duft aromatisiert und erfrischt. Wenn früher bei Räucherungen um Schutz für Haus und Hof, Liebe und Heilung gebeten wurde, durfte Melisse nicht fehlen.

Nutzen Sie die ausgleichende Zitronenmelisse und genießen Sie den zarten Duft des Sommers. Besonders dann, wenn auch das Wetter so wechselhaft ist, können Melisse, wie auch die Schafgarbe, uns wieder ins Lot bringen.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen