Zurück zur Übersicht

Löwenzahn

Kräuterkolumne

Ein Meisterwerk der Natur, das die Lebenskraft in uns erweckt und in unseren Wiesen tausende Lichter erleuchten lässt: Die Rede ist vom Löwenzahn, der uns in seiner Farbenpracht aus allen Ecken und Enden entgegen sprießt.

Dieses Wunderkraut schmeckt nicht nur vorzüglich, es gilt auch als der „Ginseng des Westens“, denn es ist ein Meister im Heilen. Der Löwenzahn hilft der Leber und lässt die Galle regelmäßig fließen. So regt er den gesamten Organismus, die Verdauung und vor allem die Nieren an. Es hat ja immer alles einen Sinn, so ist auch der Zeitpunkt, an dem der Löwenzahn erblüht kein Zufall. Denn genau jetzt sollten wir diese Organe unterstützen und unseren Körper reinigen. Für die Frühjahrskur ist der Löwenzahn sehr zu empfehlen, er hilft uns, nach trüben Tagen Vitalität zu tanken, und er schenkt uns Lebenskraft. Die Natur stellt diese alte Heilpflanze nach der kalten und dunklen Jahreszeit bereit, um den Stoffwechsel wieder in Gang zu bringen. Wer viel Löwenzahn in der Küche verwendet und als Tee trinkt, wird der Frühjahrsmüdigkeit ausweichen, unterstützt die Leber und regt den gesamten Organismus an.

Für mich gehört der Löwenzahn zu den schönsten wildwachsenden Pflanzen. Seine Blüten strahlen wie viele kleine Sonnen auf unseren Wiesen. Schon als Kind faszinierte es mich, wie er sich verändert und immer eine Besonderheit in sich trägt. Bei näherer Betrachtung entdeckt man sofort die vielen Blütenblätter des Korbblütlers, auch Kuhblume oder Pusteblume genannt. Die anspruchslose Pflanze gedeiht auf fast jeder Wiese und darf sich auch in meinem Garten an einigen Stellen frei entfalten.

In der Küche sollte der Löwenzahn, besonders jetzt im Frühjahr, einen besonderen Platz einnehmen. Es kann einfach alles verwendet werden, von der Wurzel bis zu den Blüten.

Die zarten jungen Blätter ergeben fein geschnitten einen leckeren, herben Salat, den „Wiesen-Rucola“. Wer es milder mag, kann den Löwenzahn mit anderen Wildkräutern oder Salat vermischen. Auch zum Würzen von Gemüse und Speisen, in Kräutertopfen oder verschiedenen Aufstrichen schmecken Löwenzahnblätter hervorragend. Gekocht wird er wie Spinat zubereitet und schmeckt auch ähnlich. Aus dem Stängel bereitet man den klassischen Röhrlsalat. Dabei werden die Stängel, ähnlich wie Schnittlauch, in kleine Stücke geschnitten und mit Marinade gewürzt. Die noch nicht geöffneten Blütenknospen können roh gegessen, oder zu Kapern verarbeitet werden – einfach in Essig einlegen und haltbar machen. Die frischen, jungen Wurzeln sind als Gemüse eine Delikatesse. Jedes Frühjahr bereite ich diese feine Speise zu einem besonderen Anlass zu. Die Blüten sind sehr dekorativ und vielseitig in Salaten und Frühlingsgerichten zu verwenden.

Die Blätter können ein ganzes Jahr gesammelt werden, die Wurzeln im zeitigen Frühjahr oder im Herbst, und die Blüten an sonnigen Tagen im April und Mai. Wenn sie sich zum letzten Mal öffnen, ist die gelbe Blüte bereits verwelkt. Nun kann man an ihrer Stelle eine kugelförmige Komposition aus fast durchsichtigen, federleichten Schirmchen bewundern – auch die Pusteblume ist ein Meisterwerk der Natur.

Für die Haut ist der Löwenzahn ein Segen, denn er kann für kosmetische Zwecke optimal verwendet werden. Der Milchsaft des Stängels, bzw. die ganze Pflanze kann bei Flechten, Furunkel und vielen Hautkrankheiten sehr beruhigend wirken. Ich verwende gerne die Blüten, um einen strahlenden, schönen Teint zu bekommen. In der selbstgemachten Naturkosmetik ist der Löwenzahn oft zu finden, aber auch in der Schönheitspflege wird diese Pflanze immer öfter verwendet, da sie so natürlich ist und voller wertvoller Inhaltsstoffe, die unserer Haut sehr gut tun. Gegen Sommersprossen kann ein abgekochter Blüten-Tee wirken. Unser Körper profitiert von den heilenden Wirkstoffen besonders in Tees und Tinkturen.

Auch Honig und Sirup aus Löwenzahnblüten sind eine Spezialität und zugleich sehr gesund.

In Bad Kreuzen macht uns unsere Schwester Babara immer einen herrlichen Löwenzahnhonig: 300 Köpferl von den Blüten sammeln, 1 Handvoll Fichtenwipfel mit einer Zitrone und 2 l Wasser ½ Stunde leicht köcheln lassen. 2 Stunden stehen lassen, abseihen und mit 2 kg Zucker den Saft einkochen, bis er eine so cremige Konsistenz wie Honig hat.  

Genießen Sie die Tage des Frühlings, der uns mit wunderbaren Blüten verzaubert, und nutzen Sie die Kraft des Löwenzahns. 

Monika Kronsteiner,
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen