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Lichtmess ist ein Fest des Neubeginns

Lichtmess ist ein Fest des Neubeginns 

Morgen feiern wir Lichtmess, das Fest, wo die Natur wieder zum Leben erweckt wird und wir mitten im Winter die wachsende Sonne begrüßen. Auch wenn die Natur noch in winterlicher Schönheit verharrt, werden die Tage schon merklich länger. Die Sonne geht jeden Tag ein bisschen früher auf, langsam und unbemerkt steigt wieder der Saft in die Bäume. Man kann sich kaum vorstellen, wie viel Energie es braucht, damit unsere Pflanzen, Kräuter und Bäume wieder zu sprießen beginnen. So manche Pflanzen drängen sich bereits hervor, sobald es warme Tage gibt und kein Schnee liegt. Die Brunnenkresse, das Scharbockskraut, auch kleine Blätter von Gundelrebe und Gänseblümchen sind bereits zu sehen.
Leider ist die Natur ein wenig durcheinander, da der heuer wieder viel zu milde Winter keinen wirklichen Rückzug erlaubte. Vielleicht kennen auch Sie eine Wiese, die sogar im Winter einige Zentimeter gewachsen ist und ein sattes Grün in sich trägt, wenn kein Schnee darauf liegt. Ich vergleiche die Natur immer mit den Menschen, denn sie ist der Spiegel unseres Lebens. Was die Natur im Gleichgewicht hält, hilft auch uns - und umgekehrt. So gönnen wir uns viel zu wenige Pausen, viel zu wenige Zeiten des Rückzugs. Darum freue ich mich, dass nochmals Schnee gekommen ist, da somit der Natur wie auch uns noch ein wenig Ruhe vergönnt ist.

Würde mein Körper nicht spüren und fühlen, dass er noch träge und müde ist, so wie die Natur im Winter, würde ich wegen der vielen warmen Wintertage schon längstens meinen, dass der Frühling sehr nahe ist. Ich verbrachte die letzten Wochen sehr bewusst, mit sehr viel Ruhe. So gönnte ich mir den Rhythmus, den uns die Natur vorgibt. Ich tat nur das Nötigste und verfiel nicht dem Glauben, so weiter arbeiten zu müssen, wie ich es das ganze Jahr tat und tue.

Ab Maria Lichtmess ist das wieder anders. Wir dürfen schön langsam aus unserem „Winterschlaf“ erwachen und uns fragen: „Wo möchte ich mein Licht zum Strahlen und den Samen, der in mir steckt, zum Keimen bringen.“ Mit dem Fest des Lichts wird alles wieder zum Leben erweckt. Lichtmess eröffnet die Garten- und Sammelsaison. In keltischer Zeit wurde um diese Zeit das Fest des Imbolc oder das Fest der Brigid gefeiert, um den Winter  zu vertreiben. 

Früher war es Brauch, an diesem Tag die Dienstboten einzustellen oder den Arbeitgeber zu wechseln. Mein Vater erzählte mir oft, dass Maria Lichtmess ein ganz besonderer Tag für die Bauern war. An diesem Tag versammelten sich alle, die am Hof arbeiteten, und es wurde ein Arbeitsplan für das ganze Jahr erstellt. Gleichzeitig war es ein Fest, denn seit Weihnachten sind 40 Tage vergangen. Somit ist Maria Lichtmess auch der Abschluss der weihnachtlichen Feiern. 
Für die Bauern gilt Maria Lichtmess auch heute noch als Lostag. Eine alte Bauernregel sagt: Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell. 

Im christlichen Sinne ist Maria Lichtmess ein Marienfest - Maria Reinigung - wo die Kerzenweihe ein wichtiges Element ist. Die innere wie äußere Reinigung, das Aufräumen um für Neues Platz zu schaffen, ist das zentrale Thema an diesen Tagen. Es beginnt die ideale Zeit für das Fasten, aber auch, um unsere Vitamin- und Mineralstoffspeicher wieder aufzufüllen. In den nächsten Wochen schenkt uns die Natur eine Fülle an Pflanzen, die uns helfen, uns von den Schlacken zu befreien und uns die Energie und Kraft der Natur zur Verfügung stellen. Scharbockskrautblätter, Brunnenkresse, Gundelrebe, Bärlauch, Löwenzahnblätter, Gänseblümchen, Brennnessel. All diese Kräuter, sollten wir oft in unseren Speisen einarbeiten und verwenden. Auch die Birke geht in den Saft und kann nach ein paar warmen Tagen wieder angezapft werden. Dieser reinigende Saft kann uns eine wunderbare Lebendigkeit schenken. 

Nützen Sie diese wertvolle Zeit, um ihrem Körper mehr Beachtung zu schenken, und stärken Sie ihn mit den Frühlingskräutern, die in Ihrem Umkreis wachsen und für Sie zur Verfügung stehen.

Kräuterpädagogin Monika Kronsteiner,
1. Zentrum für Traditioneller Europäischer Medizin der Marienschwestern von Karmel in Bad Kreuzen