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Kamille - Retterin in der Not

Kräuterkolumne

Die Kamille ist uns sehr vertraut, allein an ihrem typischen Geruch erkennt sie wohl jeder. Sie ist eine der beliebtesten Heilpflanzen, die unsere Großmütter für jedes Wehwehchen verwendet haben. Auch heute heißt es noch sprichwörtlich: Eine Tasse Kamillentee ist heilsamer als drei Ärzte. Allerdings muss sie frisch sein.

Auch als Badekraut, Kummerblume, Teeblume und Brustkamille hat sich die Kamille ihren Namen gemacht. Ihrem beschützenden Wesen nach ist sie eine ideale Frauenblume und ein Mutterkraut, denn sie erwärmt und öffnet das Herz der Frauen. Bei jeglichen Frauenleiden, besonders während und nach der Schwangerschaft, unterstützt uns die Kamille. Wir sind regelrecht in einer mütterlich schützenden Hülle geborgen, wenn wir sie innerlich sowie äußerlich anwenden.

Die Frauenpflanze ist auch ein Kraut der Kinder, denn Kamillentee ist einer der ersten Kräutertees, den Kinder bekommen dürfen. Diese wunderbare Heilpflanze hilft Kindern, damit sie sich geborgen fühlen, innerlich entspannen und mit sich allein sein können. Sie ist die Retterin in der Not, wenn seelische Nöte wie Angst vor Verlassenheit, Niedergeschlagenheit, Depressionen und Nervosität überhand nehmen. Die Heilkräfte der Kamille verdanken wir ihren ätherischen Ölen. Diese hemmen Entzündungen, fördern die Wundheilung, lösen Krämpfe und wirken antibakteriell. Kamillentee beruhigt und kräftigt nach schwerer Krankheit, wirkt bei Koliken, Blähungen, Bauchschmerzen und Erkältungen.

Sehr empfehlen kann ich die Kamille als Tee, zum Inhalieren, als Gesichtsdampf bei Hautunreinheit und bei Schnupfnase. Man muss allerdings darauf achten, dass die Kamille nicht direkt ins Auge gelangt, da die feinen Härchen der Kamillenblüten die Augen reizen. Daher darf sie auch nie bei Augenentzündungen verwendet werden. Auch als Salbe oder Creme kann Kamille einen wesentlichen Beitrag für die Haut leisten, wie zum Beispiel bei Akne.

Es gibt viele verschiedene Arten der Kamille, am wirkkräftigsten ist die echte Kamille, gefolgt von der römischen Kamille. Die Hundskamille kann allergische Reaktionen hervorrufen. Meist ist sie die Ursache von Unverträglichkeiten, die öfter in Bezug auf Kamille genannt werden. Die Blütezeit der Kamille ist von Mai bis Juni, und es sind auch vor allem die Blüten der Kamille, die in der Naturheilkunde verwendet werden. Diese bestehen aus weißen Zungenblüten, die eine wunderschöne gelbe Mittelscheibe umrahmen. Zu erkennen ist die echte Kamille daran, dass der typische kegelförmige Boden der Blüte hohl ist, bei anderen Kamillenarten ist er gefüllt. Die Qualität der Kamille hängt sehr stark vom Zeitpunkt des Pflückens und von der Art der Trocknung ab. Die beste Zeit zum Pflücken ist der dritte bis fünfte Tag nach dem Blühen. In dieser Zeit sind die Wirkstoffe am besten ausgebildet.

Die Kamille ist eine einheimische Pflanze, die sehr anspruchslos ist. Sie wächst auf Äckern, an Wegrändern, an Böschungen und vor allem in Getreidefeldern. Leider ist sie nur mehr selten anzutreffen, da sie eben die Nähe von Getreide liebt, dort aber bekämpft wird. Genießen Sie die Fülle unserer Heilpflanzen und lassen Sie sich immer wieder von ihrer Einzigartigkeit inspirieren. Wenn Sie mehr über Heilpflanzen wissen möchten, freue ich mich auf Ihren Besuch in Bad Kreuzen, etwa zum „Naturerlebnistag - den Sonnenkräutern begegnen“ am Samstag, den 25. Juni 2016.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen