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Hirtentäscherl

Kräuterkolumne

Vielen Kräutern am Wegesrand schenken wir oft keine oder wenig Beachtung. Vor allem den zarten Pflänzchen, den weniger auffallenden, wie etwa dem Hirtentäschel. Oft wird es als lästiges Unkraut bezeichnet, denn viele wissen nicht, wie heilsame diese Pflanze sein kann. Bereits zeitig im Frühling erkennt man das Hirtentäschel an seiner vielblättrigen Blattrosette, die sehr sägeförmigen Blätter ähneln dem Löwenzahn und schmecken im Wildkräutersalat köstlich.

Das genügsame Hirtentäschel siedelt sich fast überall an. Auch an kargen Stellen quetscht es sich aus den Ritzen zwischen Pflastersteinen. Man findet es auch in Feldern, Gärten, Wiesen, an Wegrändern, Böschungen, Schuttplätzen und in Steingärten. Auffallend ist, dass diese Heilpflanze ein ganzes Jahr hindurch blüht und fruchtet, wenn der Boden nährstoffreich ist. Sie kann auch das ganze Jahr hindurch gesammelt werden, doch sind die Frühjahrsmonate die günstige Erntezeit. Verwendet wird das ganze Kraut, wenn es noch sehr saftig erscheint.

Im „Garten der Gesundheit“ findet sich als Erklärung für den Namen des Hirtentäschels, das im Volksmund auch unter dem Namen Blutkraut, Gänsekresse, Herzelkraut oder Täschelkraut bekannt ist. Die Pflanze hat nämlich kleine Schotten - wie Taschen - an sich hängen. In dieser Pflanze mit dem ungewöhnlichen Namen steckt ganz viel Liebe, denn bei genauerer Betrachtung ähneln die Schotten kleinen Herzchen. Sie geben uns zu verstehen: Lass dein Herz nicht bluten, besinne dich auf deine Lebenskraft und verschwende sie nicht.

In der Pflanzenheilkunde steht das Täschli tatsächlich mit dem Herzen in Verbindung. Als Herz- und Blutkraut wird es zur Stärkung des Herzens und zum Stillen von Blutungen angewendet. Das Blut ist Lebenssaft, das Lebenselixier, das ständig fließen muss, aber nie überfließen darf. Das Hirtentäschel wirkt ausgleichend, kräftigend und regulierend und wird erfolgreich als blutstillendes Kraut eingesetzt, besonders bei starken Regelblutungen. Ebenso wird es gerne als Blutreinigungsmittel zur Frühjahrskur in Teemischungen empfohlen. Zur äußeren Anwendung bei Blutungen, wie bei blutenden Hautverletzungen oder Nasenbluten, werden Umschläge mit einem stark konzentrierten, abgekühlten Tee empfohlen.

Die Wurzel des noch nicht blühenden Krautes kann man trocknen und pulverisieren. Der Geschmack ähnelt dem Ingwer. Die Blüten und Samentascherl sind nicht nur eine schöne, würzige und essbare Dekoration, sondern eignen sich auch gut als Salatbeigabe. Zarte Blätter und weiche Triebe lassen sich als Gemüse dämpfen oder roh auf Brötchen dekorieren.

Lassen auch Sie sich von unseren wertvollen Heilpflanzen begeistern, die uns am Wegesrand begegnen. Viele davon sind heilsam und nährend. Es ist ein Geschenk Gottes, diese in unserer Umgebung zu haben.

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen