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Hauhechel - die Zeit der Wurzeln ist angebrochen

Kräuterkolumne

Mit September beginnt die Zeit der Wurzeln, die von September bis April – also in den Monaten mit „R“ – gesammelt werden können. Eine dieser wunderbaren Heilpflanzen habe ich neu für mich entdeckt. Da sie nicht leicht zu ernten ist, trägt sie den merkwürdigen Namen Hauhechel.

Wer die Wurzel schon einmal, nach Luft hechelnd, tief aus der Erde herausgehauen hat, weiß warum. Die Dornen zwischen den Blättern erschweren die Arbeit zusätzlich. Den Namen Hauhechel erhielt der Strauch von Bauern, welche die bis zu 50 cm tief in den Erdboden ragende Wurzel mit der Haue ausgruben, aus Angst, dass ihr Pflug beschädigt werden könnte. In einigen Gegenden hielt sich sogar der Aberglaube, Hauhechel könnte den Pferden die Eisen von den Hufen ziehen.

So ist diese Heilpflanze auch ein Symbol für Hindernisse, die uns oft im Leben im Weg stehen und überwunden werden müssen. Dafür ist von Glück begünstigt, wer trotz widriger Umstände unbeirrbar seinen Weg geht. Es ist ganz schön spannend, was uns Pflanzen vermitteln! Es braucht wirklich Überwindung, Hauhechel zu ernten, dafür schenkt sie uns dann Glück, Kraft und Ausdauer. Wer diese Wurzel als Amulett trägt, wird stets daran erinnert.

Heilkräftig sind vor allem die Wurzel sowie das junge dornige Kraut. Hauhechel wirkt blutreinigend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, harntreibend und steinlösend. Sie wird bei Infektionen als wassertreibendes Mittel zur Durchspülungstherapie der ableitenden Harnwege, der Niere und Blase sowie vorbeugend bei Nierensteinen empfohlen. Bei Blasen- und Nierenbeckenentzündungen hat sich Hauhechel seit rund einem Jahrtausend in der Klostermedizin und in alten Traditionen bewährt. Schon früh wurde sie in Essig gekocht, was bei Zahnschmerzen sehr hilfreich sein soll. So wussten unsere Vorfahren auch von der harntreibenden Wirkung der Pflanze. Die Hauhechelwurzel kann alleine oder in Kombination mit anderen wassertreibenden Heilpflanzen zur Anwendung kommen, z.B. mit Wacholder, Birkenblättern, Ackerschachtelhalm oder Goldrute. Sie findet in Blutreinigungs- und Stoffwechseltees Verwendung und kann auch als Tinktur eingenommen werden.

Hornkraut, Stechkraut, Hechelkrieg, Ochsenbrech, Blasenkraut oder Dornkraut sind weitere aussagekräftige Namen der Hauhechel. Sie wächst gerne auf sonnigen, trockenen Plätzen, an Weg- und Feldrändern sowie an Böschungen. Als Schmetterlingsblütler ist Hauhechel eine Zierde im Hausgarten. Zwar fällt der enorm widerstandsfähige Halbstrauch, der etwa 50 cm groß wird, durch einen unangenehmen Geruch auf, dafür duften aber die wunderschön rosafarbenen Blüten süßlich.

Nutzen Sie die Wunder der Natur, die uns immer wieder einzigartige Pflanzen schenkt.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen

TIPP: Bad Kreuzner Heilpflanzenserie von Monika Kronsteiner - jeden Sonntag im Kurier OÖ