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Gundelrebe

Kräuterkolumne

„Habt ihr Schmerzen und kleine Wunden, die Gundelrebe heilt es in wenigen Stunden“, dieser kurze Spruch verrät schon sehr viel über die Gundelrebe. Im Mittelalter wandte man das „Zikkelkräutl“ vorbeugend gegen Skorbut – Mangel an Vitamin C – und als kräftigende Frühjahrskur an, da sehr viel Grünkraft in ihr steckt. Und Grünkraft ist Lebenskraft.

Die angenehm würzige, herb-balsamisch duftende Gundelrebe, deren kriechende Ausläufer den Rasen durchwuchern, ist eine meiner Lieblingspflanzen. An halbschattigen Plätzen schlängelt sie sich gerne durchs Gras und wuchert rund ums Haus. Sie besiedelt den feucht kühlen Boden unter Hecken, an Zaunrändern und alten Mauern. So wie der Holunder oder die Brennnessel, liebt es auch die Gundelrebe, in der Nähe des Menschen zu sein. Diese heilige Pflanze, eine uralte germanische Heil- und Zauberpflanze, trägt so manches interessante Geheimnis in sich. Die krautige, ausdauernde und vor allem winterharte Gundelrebe besitzt eine enorme Kraft. Sie ist, vielerorts bekannter unter dem Namen Gundermann und wird auch Erdefeu, Donnerrebe oder Katzenminze genannt.

Die gegenständig wachsenden immergrünen Blätter sind herz- bis nierenförmig, grob gekerbt und im Jugendstadium braun-violett überzogen. Ihre volle Heilkraft entfaltet die unauffällige Pflanze mit den lila Blüten im zeitigen Frühjahr. Ernten kann ich sie jedoch das ganze Jahr über, das liebe ich an der Gundelrebe.

Neben Ehrenpreis, Hauswurz und Wegerich zählt die Gundelrebe zu den Grundkräutern, die hauptsächlich bei eitrigen Wunden, Geschwüren oder Auswurf angewendet werden. „Gund“ bedeutet nach germanischem Sprachgebrauch unter anderen Eiter, giftiges Sekret oder Beule. Im Volksmund wird sie deshalb auch als der „Herr des Eiters“ bezeichnet.

Die Gundelrebe gehört zu den Lippenblütlern und ist mit vielen Heilpflanzen und Gewürzen verwandt, die besonders reich an ätherischen Ölen sind. In diesen sind Wärme spendende Sonnenkräfte wirksam, die den erstarrten Organismen neue Lebensimpulse vermitteln. So vermag die Wesenskraft dieser Heilpflanze, Menschen zu helfen, die nicht mehr im Einklang mit den natürlichen Biorhythmen leben.

Aus diesem Grund war die Gundelrebe wohl lange Zeit ein wichtiger Bestandteil der sogenannten Kraftsuppe, die zum Wiederaufbau der Energie und Lebenskraft gegeben wurde.

Als Gemüse zur Stärkung „von innen“ sollte die Gundelrebe einen fixen Platz in der Küche bekommen. Für Füllungen, Salatsaucen und Kräuterpesto schneiden Sie die Gundelrebe klein und mischen sie mit anderen Kräutern. Die Blätter und Blüten können auch in Gemüsesuppen mitgekocht oder mit Spinat gemischt werden.

Zusammen mit anderen Wildkräutern bereichert sie eine Kräuterbutter oder eignet sich als Beigabe in Salate, gerade zu Gurkensalat passt sie besonders gut. Auch in meinem Kräutersalz darf die Gundelrebe nicht fehlen. Besonders empfehlen kann ich Kartoffellaibchen mit Gundelrebe. Sehr gut lässt sich die Gundelrebe auch als Öl konservieren, bekannt ist das Gundelrebenöl,das Wunden rasch abheilen lässt. Dazu werden Blätter gesammelt, klein geschnitten und in ein kleines Glas gefüllt. Mit Öl auffüllen, sodass die Blätter bedeckt sind und mindestens 21 Tage an einen warmen Ort stellen. Dann abseihen und als Wundöl verwenden.

Genießen Sie die Kraft des Frühlings, die jetzt so spürbar in unseren wertvollen Kräutern steckt, und suchen Sie die Gundelrebe in Ihrer Nähe.

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen