Zurück zur Übersicht

Giersch

Kräuterkolumne

Vielen ist nicht bewusst, welch wertvolle Heilpflanzen als Unkräuter vor unserer Haustüre wachsen. Ein genaues Hinschauen lohnt sich auf jeden Fall, denn es ist, als ob uns die Kräuter suchen würden, und immer dann zu uns kommen, wenn wir sie gerade brauchen. Mutter Erde ist so genial und lässt gegen jede Krankheit ein Kraut wachsen, doch wenn wir uns mit der Gesundheit beschäftigen, braucht es gar nicht so weit zu kommen.

Den Giersch zu bekämpfen, hat wenig Sinn, denn er tut alles, um verwendet zu werden. Er ist ein Wurzelteiler, der sich noch mehr vermehrt, wenn er ausgerissen wird. Wo er einmal wächst, da lässt er sich so einfach nicht mehr vertreiben. Statt sich über den Giersch zu ärgern, sollten wir lieber die grüne unverwüstliche Lebenskraft dieser Pflanze für unsere eigene Gesundheit nützen!  Lernen wir ihn lieben, er schmeckt gut und fördert unser Wohlbefinden. Der Giersch ist nämlich ein absolut gesundes Wildkräutlein mit viel Vitamin C, Mineralstoffen, Karotin und Calcium - mehr als in so manch anderen gezüchteten Gemüsearten. Er schmeckt hervorragend als frischer Salat oder wie Gemüse zubereitet. Giersch ist ein perfekter Petersilienersatz und kann überall eingesetzt werden, wo Petersilie verwendet wird. Die jungen Blätter des Gierschs können fast das ganze Jahr über gesammelt werden. Nebenbei sollten ihn alle Menschen nutzen, die an Gicht, Übersäuerung und Gelenksbeschwerden leiden. Auch aus eigener Erfahrung kann ich dieses Kraut bei Gelenksproblemen weiterempfehlen. Der Giersch, dessen lateinischer Name podagraria nichts anderes bedeutet als Gicht heilend, wird auch gerne Geißfuß, Zipperleinkraut, Gärtnerschreck, Gichtkraut oder Erdholler genannt.  

Er kann erfolgreich gegen Gichtknoten eingesetzt werden, regt den Stoffwechsel an und wirkt entzündungshemmend, weshalb man die Blätter gut gegen Insektenstiche einsetzen kann. Sein Name Zipperleinskraut sagt ja schon, dass er für jedes Wehwehchen verwendet werden kann. Bei Schmerzen kann er als Auflage oder Bad zubereitet werden.

Beim Giersch kann man besonders gut erkennen, welche Lebenskräfte in Pflanzen stecken können. Man muss nur genau hinschauen, die Pflanze teilt es uns alleine durch ihr Äußeres mit. So wie der Giersch oft in unseren Gärten wuchert, muss eine enorme Kraft und Ausdauer in dieser Pflanze stecken. Was für eine Vitalität kann er uns folglich schenken, wenn wir ihn essen oder anwenden. Er enthält viele wichtige Inhaltsstoffe, die den Stoffwechsel anregen und vertreibt jede Frühjahrsmüdigkeit. Als reinigende Frühlingspflanze eignet er sich – gemeinsam mit vielen anderen Wildkräutern – bestens für eine Frühjahrskur.

Wie die Brennnessel ist der Giersch ein uraltes Wildgemüse. Man kann ihn in Suppen, Eintöpfe oder Wildkräutersalate geben. Er schmeckt auch als Belag auf einer Pizza sowie als spinatartiges Gemüse, und in meinem Wildkräutersalz darf er natürlich auch nicht fehlen. Ich bereite immer ein eigens Gichtsalz mit Giersch zu. Dafür schneide ich die Pflanze klein, vermenge sie mit Salz, mörsere alles und lasse es lufttrocknen. Nach dem Trocknen fülle ich das Salz in Gläser ab.

Frische grüne Kräuter in Teig eingearbeitet, verleihen Brot und Gebäck eine besondere Note. Giersch verleiht dem Gebäck ein leichtes Karotten- und Petersilienaroma. Mit seinem sehr milden würzigen Geschmack eignet er sich auch bestens für Teemischungen.
Gierschblätter werden vor der Blüte verwendet. Am besten sammeln Sie die jungen zarten Gierschblätter im April bis Juni. Für einen Tee benötigen Sie zwei Esslöffel Gierschblätter, die mit 1/4l  heißem Wasser aufgegossen werden und ca. 5 Minuten ziehen sollten. Ich empfehle Ihnen, diesen Tee mehrmals pro Tag zu trinken.

Giersch stammt aus der Familie der Doldenblütler, der auch einige sehr giftige Mitglieder angehören, die mit dem Giersch zu verwechseln sind, zum Beispiel der Wasserschierling. Der Giersch hat neben seinen gelblich grünen Blättern jedoch ein einfaches und deutliches Erkennungsmerkmal: den dreieckige Blattstielquerschnitt. Ein weiteres untrügliches Erkennungszeichen ist sein Geruch, der an Petersilie erinnert. Sammler bekommen sehr schnell einen sicheren Blick für die essbaren Arten der Doldenblütler.

Tipp:
Giersch Limonade: Eine große Handvoll frischen Giersch in 1l Apfelsaft geben, 2 Stunden stehen lassen, mit gutem Quellwasser oder Mineral aufgießen, eventuell noch Zitronenscheiben hinzufügen. Diese Limonade schmeckt erfrischend und wird von großen und kleinen Kindern geliebt.

Verwöhnen auch Sie sich mit dieser wunderbaren Wildpflanze, die vielleicht in ihrem Garten wächst. Sie werden Staunen, welche Kraft im Giersch enthalten ist.

Monika Kronsteiner,
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin