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Brennnessel

Kräuterkolumne

Eine meiner Lieblingspflanzen, auf die ich immer wieder zähle, ist die Brennnessel. Sie war es auch, die mich zu den Kräutern brachte. Für mich ist diese faszinierende Pflanze ein wahres Wunder der Natur. Immer wieder bemerke ich bei meinen Kräuterwanderungen, dass Menschen die Brennnessel meiden, nur weil sie ein wenig brennt und für viele ein lästiges Unkraut im Garten ist. Dabei hat sie so viele positive Eigenschaften und ein großes Wirkungsspektrum. Sie eröffnet auch unglaubliche Möglichkeiten im kulinarischen Bereich.

Die Brennnessel gehört zu den wichtigsten Heilpflanzen überhaupt. Für mich gibt es nur wenige Beschwerden, bei denen ich sie nicht einsetze oder weiter empfehlen kann. Im wahrsten Sinne des Wortes: Sie lernte mir, die Pflanzen brennend zu lieben, zu verstehen und ein Gespür für Mutter Erde zu bekommen. Es war, als ob ich durch die Brennnessel wieder zum Leben erweckt wurde. Ich kann es schwer in Worte fassen, aber diese Pflanze schenkte mir die Kraft, meinen Weg zu gehen, wodurch mir neue Perspektiven aufgezeigt wurden.

Betrachten wir die Pflanze doch genau, die Feinheit, die Zartheit, aber auch die Power, die sie in sich trägt. Die feinen zarten Härchen, die vielen Zacken, die fein gegliederten Fasern, die auf der Brennnessel zu finden sind, die unterschiedlichsten Größen und Formen – alle Brennnesseln schauen sich ähnlich und sind doch sehr individuell. Genau das macht die Brennnessel aus: Das Individuelle, das sich gerne angleicht. Und so brauchen die Menschen, die die Feinheit, die Zartheit und die Power in sich wieder erleben möchten, aber auch nach Stabilität in ihrem Leben suchen, diese Heilpflanze. Die Brennnessel ist nicht nur reinigend, sondern sie schenkt auch die nötige Kraft, um das umzusetzen, was angelegt ist, in dem sie das Feuer in uns entzündet.  

Gerade im Frühling ist die Brennnessel, eines der ersten Frühlingskräuter, ein optimaler Begleiter wie eine natürliche und sehr wertvolle Nahrungsergänzung. Zur Blutreinigung und Entgiftung unsers Körpers ist sie die Pflanze erster Wahl. Selbst im  Gemüsegarten leistet sie wertvolle Dienste, als Gemüse, zur Lockerung der Erde oder in Form von Brennnesseljauche. Die Brennnessel wird zur Gänze verwendet, ihre Blätter für Tees und zum Kochen, die Samen als Nahrungsergänzungsmittel, die Wurzel für Auszüge und Bäder. Auch in der Therapie kann sie oftmals eingesetzt werden. Besonders bei Gelenksbeschwerden, Rheuma und Rückenschmerzen wirkt das Einreiben der Brennnessel, oder wie es heißt: Brennnesseln schlagen. Im ersten Moment ist es unangenehm, aber ich kenne Einige, die darauf viel halten.

Die Kreativität in der Küche kennt mit der Brennnessel keine Grenzen. Sie kann in vielen Gerichten mit verarbeitet werden, als gute Würze, als Geschmacksverstärker, aber auch als ein wertvolles Gemüse. Klein geschnittene Brennnesseln und Samen passen in den Teig von Palatschinken, Frittaten oder Knödeln, in viele Füllungen von Fleisch- und Fischgerichten, in jede Gemüsepfanne und in jedes Gemüsegericht sowie in sämtliche Kräutersaucen, Suppen, Kräuterbutter und Aufstriche. Als Spinat schmecken junge Brennnesselblätter hervorragend. Nicht nur ihre Inhaltsstoffe sind wertvoll, sie ist auch der beste Eisenlieferant. Kinder lieben Brennnesselchips, aber auch zu einem Glas Wein passen diese besonders gut. Bestreichen Sie dafür schöne große junge Brennnesselblätter mit einem guten Pflanzenöl und geben sie diese dann kurz ins Rohr, salzen und sofort servieren.
Auch für die Naturkosmetik ist die Brennnessel bestens geeignet. Generell ist sie für die Haare ein Segen, denn diese werden durch sie gestärkt.  

Brennnesseln wachsen gerne wo Menschen sind, also rund um das Haus oder in Gärten. Sie brauchen die Menschen, lieben stickstoffreichen Boden und sind an Zäunen, Schuttplätzen und am Waldesrand zu finden.Überzeugen Sie sich selbst, und lassen Sie sich von der Brennnessel verzaubern. Genießen Sie die Brennnessel in Speisen, besonders in einer Frühlingskräutersuppe, oder auch mal als Tee. Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest, voller Begegnungen mit unseren wunderbaren Schätzen der Natur.

 

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen