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Beinwell

Kräuterkolumne

Die Wurzelzeit hat begonnen. Der Herbst ist somit die ideale Zeit, um auch die Wurzel des Beinwells auszugraben und daraus eine Heilsalbe zuzubereiten. Ihren Namen trägt die alte Wundpflanze nicht umsonst. „Bein“ kommt von Knochen und „well“ von wallen, was so viel heißt wie: vereinen, verbinden, zusammenwachsen. Der Beinwell ist ein echter Knochenheiler und tut den Beinen gut. Er hat wundheilende Eigenschaften und lässt alles zusammenwachsen, was zusammengehört.

Neben seinem Volksnamen Wallwurz wird der Beinwell auch noch Schwarzwurzel, Beinbruchwurzel, Beinheil, Blutwurz, Soldatenwurzel, Geschwürkraut, Hasenbrot, oder Schadheil genannt. Ein weiterer Name des Beinwells lautet Schmerzwurz, denn früher wurde seine frisch gegrabene Wurzel als Pflaster für Wunden verwendet. Dafür die Wurzel sauber waschen, klein schneiden, zu einem Brei rühren und auf die betroffene Stelle auflegen. Die Wurzel ist zwar am heilkräftigsten, es können aber auch die Blätter dieser Heilpflanze als Auflage verwendet werden. Dafür Blätter einfach in Wasser kurz köcheln lassen und anschließend auflegen. Ich kann auch den Tee aus Wurzeln und Blättern, der nur äußerlich zum Baden oder als Auflage angewendet wird, sehr empfehlen, damit der Schmerz abklingt.

Beinwell kann für den gesamten Bewegungsapparat eingesetzt werden, ob Verstauchungen, Verspannungen, Bruch, Geschwüre, Wunden, Knochenschäden, Sehnenriss oder Zehrung, Arthrose, Sehnenscheidenentzündung oder Muskelschmerzen, da er eine durchblutungsfördernde Eigenschaft in sich trägt. Die Wirkstoffe des Beinwells unterstützen die Zellneubildungen und Blutergüsse wie Schwellungen lösen sich schneller auf. Vor allem durch den Inhaltstoff Allantoin verfügt die Pflanze über ausgeprägte wundheilende Eigenschaften.

 

Die bekannteste Zubereitungsform des Beinwells ist die Salbe, die früher häufig verwendet wurde. Ich erhalte viele sehr positive Rückmeldungen über die Wirkung dieser Salbe. Sehr empfehlen kann ich Beinwell bei Venenproblemen. Mit der Salbe kann auch ein Umschlag gemacht werden, dafür diese messerrückendick auf die betroffene Stelle auftragen und mit einem Tuch umwickeln.

Innerlich wird Beinwell nicht angewendet, da Pyrrolizidinalkaloide enthalten sind, die sehr reizend auf Leber und Niere sein können, es wurden auch extreme Hautausschläge beobachtet. Darum bitte Beinwell immer nur äußerlich anwenden, wo er wirklich gut helfen kann.

Der Beinwell liebt feuchten Boden und ist in sumpfigen Wiesen, nahe an Bächen, in Gräben und an Waldrändern daheim, wächst aber genauso im Garten. Die mehrjährige, ausdauernde Wurzel, ist außen schwarz und innen weißlich. Die lanzenförmigen Blätter sind rau behaart, die glockenartigen Blüten sind entweder blass- bis dunkelviolett oder gelblich-weiß. Die Wurzel soll nur von Oktober bis März gegraben werden, da sie in diesem Zeitraum die meisten Inhaltsstoffe enthält.

Aus der Wurzel bereite ich auch eine Tinktur zu, die ich bei Bedarf, etwa bei schweren Füßen, schnell in eine Heilsalbe mit einarbeiten kann. Leider wurde diese wertvolle Heilsalbe von den Apotheken gestoppt und somit nicht mehr verwendet, da sie - innerlich eingenommen - nicht förderlich ist. Äußerlich verwende ich diese alte Heilsalbe jedoch oft und empfehle sie auch unseren Gästen in Bad Kreuzen. Sie hat schon vielen sehr geholfen und zur Heilung beigetragen.

Beinwellsalbe wird heute noch gerne mit Schweineschmalz zubereitet, da auch dies wertvoll für die Heilung ist. Ich mache diese Salbe gerne mit Olivenöl, da sie länger haltbar bleibt. Dafür die Wurzel gut waschen, klein schneiden, in einen Kochtopf geben, mit Öl bedecken und auf kleiner Stufe ca. zwei Stunden köcheln lassen. Über Nacht stehen lassen, am nächsten Tag nochmals kurz erwärmen und abseihen. Der Ölauszug kann jetzt noch mit Johanniskrautöl aufgebessert werden. Auf 100 g Ölauszug gibt man 10g Bienenwachs und eventuell noch eine Tinktur dazu. Nun das Gemisch abfüllen, abkühlen lassen - und fertig ist die Salbe.

Überzeugen Sie sich selbst von der Heilkraft der Wurzel. Es ist beeindruckend, welche einzigartigen Schätze die Natur uns immer wieder zur Verfügung stellt.

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen