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Baumharze - Glückssalbe und reinigende Räucherung

Kräuterkolumne

Ich liebe es, im Herbst im Wald zu sein, genieße das bunte Blätterlaub über mir und wandere über die dichten Moosteppiche, die sich gebildet haben. Die durchscheinende Sonne trägt das ihre zu dieser Schönheit bei. Heute möchte ich über Baumharze, auch Baumpech genannt, meine Erfahrungsschätze teilen.

Baumharz ist etwas Besonderes, vor allem durch seinen Geruch, und weil es so vielseitig einsetzbar ist. Gehen Sie mit geöffneten Augen durch den Wald, und halten Sie Ausschau nach Bäumen, die durch den Förster oder Waldarbeiter, oder auch durch Tiere verletzt wurden. Diese Verletzungen müssen nicht all zu groß sein. Es genügt, wenn ein Ast abgerissen oder die Rinde verletzt wurde, dann bildet sich vom Stamm, genauer von den Baumzellen aus, ein klebriger, zähflüssiger Stoff - das Harz. Der Baumstamm hat von unten nach oben Harzkanäle, die das Harz speichern, bis es gebraucht wird. Jede Baumart speichert verschieden viel Harz, das nach einer gewissen Zeit fest wird und sozusagen die Wunde im Baumstamm verschließt und diese vor Schädlingen schützt. Oft strömt so viel Harz aus dem Baum, dass wir uns ohne weiteres ein wenig davon nehmen und für eine besondere Heilsalbe oder zum Verräuchern verwenden können. Ob von Fichte, Tanne, Lärche, Zirbe oder Kiefer, jedes Harz riecht besonders und trägt eine eigene Beschaffenheit in sich. Es enthält ein dickes Gemisch aus Harzsäure und ätherischem Öl. Bei uns ist Fichtenharz am häufigsten zu finden. Aber auch Weihrauch und Myrrhe, in der Antike unglaublich kostbare Güter, werden genauso geerntet.

Die wertvollen Inhaltsstoffe der Harze sind für Mensch und Tier extrem heilsam. Salben mit Baumharz verwendet man in der Volksmedizin schon seit Jahrhunderten, sie können bei Schürfwunden, Insektenstichen, rissigen Fersen, Zerrungen und auch schmerzenden Muskeln für Linderung sorgen. Die zähe Masse hat auch eine antimikrobielle Wirkung und hemmt das Wachstum von Bakterien. Mein Vater erzählte mir, dass sie das Harz früher als Kaugummi genutzt hatten, oder auch bei Entzündungen der Zähne.

Fichtenharz findet man das ganze Jahr über. Auf jeden Fall sollte man beim Ernten darauf achten, nur so viel Harz zu nehmen, dass der Baum nicht zusätzlich verletzt wird. Ich gehe mit einem Einwegglas in den Wald und sammle es darin.
Daraus lässt sich eine wunderbare Heilsalbe machen: Ich bedecke das Harz mit einem guten Öl wie Olivenöl oder Sonnenblumenöl, es kann aber auch Butterschmalz oder Schweineschmalz genommen werden. Dann stelle ich es in ein Wasserbad und erwärme es, bis sich das Harz löst. Es können noch andere Kräuter wie Schafgarbe, Johanniskraut, Ringelblume usw. dazugegeben werden. Nun abseihen und für 100g Öl-Harzgemisch 10g Bienenwachs verwenden, ev. noch Honig dazu verrühren und fertig ist eine der besten Wundheilsalben. Diese Salbe ist aus unserer Hausapotheke nicht mehr weg zu denken, egal ob als Zugsalbe oder Wundverband, die Glückssalbe ist unschlagbar nützlich.

Für das Räuchern wird das Harz aufgelegt, damit es gut trocknen kann. Räucherungen mit Fichtenharz wirken keimtötend und können so die Raumluft desinfizieren. In Erkältungszeiten oder zur Behandlung von Ausschlägen und bei Rheuma wurde immer wieder mit Baumharz geräuchert. Eine Fichtenharzräucherung ist eine sinnvolle Reinigung und empfiehlt sich, bevor ein neues Haus oder eine neue Wohnung bezogen wird, um Altes zu bereinigen und Platz für Neues zu schaffen. Der Rauch gibt Schutz vor störenden Einflüssen und hilft, innere Ruhe zu finden. In chaotischen Zeiten wirken Fichtenharz-Räucherungen erdend auf Körper, Geist und Seele. Sie schenken uns Mut, Kraft und Selbstvertrauen und helfen uns, den Blick auf das Wesentliche zu richten.

Wenn Sie mehr über Räuchern und Brauchtum wissen möchten, kann ich Ihnen das neue Buch „Die Heilkraft des Räucherns“ von Fritz Kaindlstorfer sehr empfehlen. Hier werden Räucherrituale für Mensch und Tier unter Berücksichtigung des alten Räucherwissens aus der Traditionellen Europäischen Medizin genau beschrieben.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen