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Augentrost - Klarheit für Augen und Geist

Kräuterkolumne

Augentrost – allein der Name dieser wunderbaren Heilpflanze klingt vielversprechend. So zart und unscheinbar er sich auch auf so manchen Wiesen ausbreitet, so heilsam und schnell ist er in seiner Wirkung. Augentrost schenkt uns eine Klarheit, die schon in den Blüten deutlich zu erkennen ist. Bei genauerer Betrachtung meint man in den kleinen weißen Blüten mit violetten Längslinien und einem gelben Fleck auf der dreilappigen Unterlippe ein Auge mit Wimpern zu erkennen. Die Blättchen sind oval geformt, mit gezahntem Rand und behaarter Unterseite. Auch der Stängel ist behaart und vor allem vielfach verästelt. Für den Tee werden die blühenden Teile und die Blätter verwendet. Dieser Tee wurde schon früher für die Augenpflege sehr geschätzt und kann besonders im Alter die Sehkraft verbessern.

Augentrosttee unterstützt, innerlich wie äußerlich angewandt, den Heilprozess bei Bindehautentzündung, Lidrandentzündungen und Gerstenkorn. Außerdem hilft er bei Augenschwäche, Lichtempfindlichkeit, Augenbrennen und Tränenfluss. Durch seine leicht antibiotische und schmerzlindernde Wirkung ist er bei allen Entzündungen zu empfehlen, besonders aber im Kopfbereich, bei Kopfschmerzen, bei Heiserkeit und Magenschwäche. Er stärkt auch das Gedächtnis.

Im Mittelalter wurde Augentrost rituell verräuchert, um Weit- und Umsicht, aber auch Hellsichtigkeit zu erlangen. Ein Stämmchen Augentrost, eine Stunde ins Wasser gelegt, kann angeblich Visionen herbeirufen, wenn man damit die Augenlider bestreicht. Das Augentrost-Wasser, mit weißem Wein vermischt, getrunken, sollte das Trüben des Auges vermeiden.

Aus eigener Erfahrung kann ich Augensalbe und Augengel empfehlen, die ich selber zubereite und immer griffbereit habe, um das ermüdete Auge zu trösten. Das Hydrolat aus Augentrost hilft mir besonders bei Augentrockenheit und schenkt mir wieder einen klaren Blick, wenn ich zu lange vor dem PC sitze.

In der Volksheilkunde hat der Augentrost viele Namen, von Lichtkraut oder Gewitterblume über Augenkräutl und Hexenblume bis zu Weiddieb. Er mag absolut keinen Dünger und wächst auf mageren Wiesen und Heiden, in Mooren und lichten Wäldern und besonders in den Alpen. Augentrost ist eine Schmarotzerpflanze und entzieht den Gräsern der Nachbarschaft Wasser, Mineral- und Nährstoffe. Das Sommerwurzgewächs lässt sich somit auch nicht gerne verpflanzen. Erntezeit ist während der gesamten Blütezeit von Juni bis Oktober.

Genießen Sie die wunderbare Natur mit den einzigartigen Wesen, die immer für uns bereitstehen, wenn wir sie brauchen.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen

TIPP: Bad Kreuzner Heilpflanzenserie von Monika Kronsteiner - jeden Sonntag im Kurier OÖ