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Anis

Kräuterkolumne

So viele Gewürze habe ich vergangenes Jahr angebaut und geerntet, darunter auch den Anis. Diese wunderbare Heilpflanze ist ein fixer Bestandteil meiner Lebensmittelapotheke. In meinen Gedanken verbinde ich Anis immer mit dem Orient, mit dem südlichen warmen Flair, das dieses Gewürz liebt. Denn er ist ein Geschenk des Orients, das in unseren Gärten, aber auch auf Wiesen wächst.

Anis, auch kleiner Anis oder süßer Kümmel genannt, gehört zu den bekanntesten Doldenblütlern, die sich zumeist sehr ähnlich sind. Unser Anis ist ein zartes Gewächs, das einen einzigartigen aromatischen Geschmack in sich trägt, ein richtiges Universalgewürz für viele Speisen. Die Früchte eignen sich für die geschmackliche Verbesserung von Suppen, Soßen, Fleisch- und Fischgerichten. Auch in Brot und Gebäck sollte Anis nicht fehlen.

Ich kann mich noch gut an die Fastenzeit in meiner Kindheit erinnern. Vor allem während dieser Wochen, aber auch an manch anderen Tagen, gab es unseren geliebten Aniskuchen. Er war einfach in der Zubereitung und stärkte unser Wohlbefinden. Früher wurde er nach reichhaltigen, herzhaft fetten Speisen für eine bessere Verdauung gereicht. In Gourmetküche wird Anis zum Beizen von Lachs und dunklem Fleisch verwendet. Trotz seines ziemlich charakterhaften Aromas kann mit Anis gut experimentiert werden. Ich liebe ihn in meinem selbst gebackenen Brot und Gebäck, zu Eierspeisen, in roten Rüben, Salatdressings, in Aufstrichen und oft auch in meiner Gemüsepfanne.

Anis ist eines der ältesten Gewürze und war schon früh ein unverzichtbarer Bestandteil der Küche. Im alten Ägypten, im antiken Griechenland und in Rom hatte er einen hohen Stellenwert. Als Doldenblütler ist der Anis eng mit dem Fenchel verwandt, diesem aber an Würzkraft überlegen.

Seit vielen Jahrhunderten gehört Anis zu den besten natürlichen Mitteln zur Regulierung der Darmtätigkeit, das oft in unseren Speisen oder Backwaren fehlt. In vielen südlichen Ländern findet man Anis auch in traditionellen Likören und anderen alkoholischen Getränken. Die hohen Konzentrationen an teilweise sehr scharfen essenziellen und ätherischen Ölen wirken desinfizierend auf Schleimhäute und töten Bakterien, Pilze, Keime und Viren ab. Anis wirkt krampflösend, entzündungshemmend und entspannend. Er stärkt unser Immunsystem, beseitigt Darmträgheit, Verstopfung und Blähungen, hilft bei Blasen- und Magenschmerzen und wirkt belebend. Wer nach dem Essen einige leicht angeröstete Anissamen kaut, verbessert seinen Atem und die Verdauung. Anis macht das Blut dünnflüssiger und sorgt für eine bessere Nährstoffversorgung.

Trotz seiner wertvollen heilsamen Fähigkeiten ist Anis ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei wächst mit ihm im eigenen Kräutergarten ein einzigartiges, eigentlich unverzichtbares Gewürz mit wirkungsvollen Inhaltsstoffen heran.

Es ist geradezu verblüffend, welch umfassendes Wissen unsere Vorfahren über die wohltuenden Eigenschaften des Anis hatten und ihn auch dementsprechend verwendeten. Er wurde sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet. Durch seine wärmenden Eigenschaften werden die Funktionen aller Organe angeregt und der ganze Körper gestärkt.

Ich stelle zusehends fest, dass unsere Natur einzigartig ist und das Einfache, die Natürlichkeit, die sie in sich trägt, immer mehr in mein Leben tritt. Was brauchen wir wirklich, um glücklich und zufrieden zu sein? Die Natur hat mit ihren Heilpflanzen einen Schatz in unsere Hände gelegt. Wir sollen diesen wieder verwenden, anwenden und schätzen lernen und werden erfahren: Gott hat uns für alles eine Pflanze wachsen lassen. Ich lade Sie ein, die Natur zu entdecken, ihre Einfachheit zu schätzen und ihre Vielseitigkeit dankbar anzunehmen.

Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin Bad Kreuzen