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Andorn - Bitter macht fitter!

Kräuterkolumne

Eine vergessene Heilpflanze, die wahre Wunder auf das ganze Organsystem ausübt, so lässt sich der Andorn am besten beschreiben. Dabei ist diese recht unscheinbare Pflanze, die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt, inzwischen weltweit verbreitet. Schon in der Antike wurde der gewöhnliche oder weiße Andorn als Heilpflanze genutzt. Bei uns wird er auch Mutterkraut, Chinakraut, Brustkraut, Alte Weiber Kraut oder Lungenkraut genannt.

Ich sage immer: Bitter macht fitter. Man muss nicht immer erst krank werden, um Heilpflanzen zu verwenden. So schätze ich Andorn nicht nur aufgrund seiner heilenden Wirkung, sondern auch, weil er zu den bitteren Kräutern gehört. Bitterstoffe, die oft viel zu selten zugeführt werden, regen vor allem die Leberfunktion und den Stoffwechsel an. Für Kräuterkundige ist Andorn heute noch ein wertvolles Lebenselixier für ein langes Leben. Er wirkt anregend, magenstärkend, hustenstillend und wird vor allem für die Luft- und Verdauungswege verwendet. So hilft er beim Abhusten von Schleim, bei Bronchitis und Keuchhusten, er regt die Tätigkeit des Magen-Darm-Trakts an und reguliert Verdauungsstörungen, etwa bei Blähungen oder einem Völlegefühl. Der Andorn stärkt auch die Abwehrkräfte und das Immunsystem. Ich empfehle ihn gerne als Tee, er kann aber genauso als Tinktur eingenommen werden. Äußerlich eingesetzt hilft Andorn auch bei Geschwüren und anderen Wunden, die nicht heilen wollen. Mit Honig gesüßt ist er ein Mittel gegen Schwermut und ein gutes Stärkungsmittel bei körperlicher Schwäche.

Schon die Kelten vertrauten auf den Schutz des Andorns, und so ist er auch ein gutes Kraut für jede Schutzräucherung.

Hildegard von Bingen empfiehlt Andorn-Rahmsuppe bei chronischer Rachenentzündung oder Kehlkopferkrankung: 4 Esslöffel Andorn klein geschnitten mit 1/4l Wasser aufkochen, abseihen und ½ l Weißwein zufügen. 3 Esslöffel süßen Rahm hinzufügen, nochmals wallend kochen lassen und als Suppe essen. Ich habe die Suppe ohne Wein zubereitet, dafür nicht mit Gewürzen gespart. Das hat meiner Halsentzündung gut getan.

Ich empfehle Andorn auch in Teemischungen, da die Bitterstoffe in Teemischungen nicht so intensiv hervorkommen und dennoch eine hohe Heilwirkung in sich tragen. Bei den Albanern ist Andorn als Allerheiltee bekannt, der bei vielerlei Wehwehchen getrunken wird. Entweder um Linderung zu verspüren, oder um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Sie empfehlen: 5 Teelöffel Andornkraut mit 1 Lorbeerblatt und 1 frischer Feige in einem Liter Wasser 7 Minuten kochen lassen und abgießen. Der Tee schmeckt überraschend gut.

Andorn wächst bei uns auf den schon selten gewordenen sehr trockenen und mageren Wiesen. Die anspruchslose Pflanze gedeiht im Garten und wird auch in Klostergärten kultiviert. Die Blätter und Stängel des bis zu 40 cm hochwachsendes Krauts sind behaart, die weißen Blüten liegen nahezu kugelig in den Achseln der Blätter. Das mehrjährige Kraut kann von Juni bis August gesammelt werden.

Genießen Sie die wertvolle Heilkraft der Heilkräuter, die uns immer wieder zur Verfügung gestellt wird.

Ihre Monika Kronsteiner
Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen