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Alt-Bischof Iby kurt traditionell europäisch

Silberjubiläum in Bad Kreuzen mit TEM: Alt-Bischof Iby kurt traditionell europäisch

Der nicht nur bei den Burgenländern ob seiner Bodenhaftung und lebensfrohen Einstellung wie auch seines durchaus kritischen Zugangs zu „heißen katholischen Eisen“ hoch geschätzte emeritierte Bischof von Eisenstadt, Dr. Paul Iby, wird im kommenden Jahr 80 Jahre alt. Mit viel Augenzwinkern und Humor begeistert er seine Gegenüber immer wieder durch seine Weltoffenheit und seinen Witz. Das hat, so sagt er, sicher mit seiner Verbundenheit zu Gott und ein bisschen auch mit seinen vielen Kneippkuren zu tun. Diese hielten und halten ihn fit und eben lebensfroh. Zum 25. Mal wird Bischof Iby im Jahr 2015 im oberösterreichischen Bad Kreuzen bei „seinen“ Marienschwestern vom Karmel kuren. Und er freut sich schon sehr darauf, wie er uns in einem Exklusiv-Interview bestätigte. Darin nimmt er auch offen Stellung zur Traditionellen Europäischen Medizin (TEM), die von Bad Kreuzen aus, wieder erforscht und erfolgreich eingeführt wurde.

 

Herr Bischof, die Menschen in Bad Kreuzen und vor allem die Marienschwestern, freuen sich schon immer, wenn Sie zur Kur kommen und manche meinen, sie seien schon eher Mühlviertler als Burgenländer und hätten dort einen zweiten Wohnsitz. Was sagen Sie dazu?

Na ja (lacht), ganz so ist es nicht. Ich bin nach wie vor stolzer Burgenländer und sehr froh, dass ich in Raiding geboren wurde und aufgewachsen bin. Aber das Mühlviertel und die Marienschwestern vor allem in Bad Kreuzen sind mir im Laufe der Jahre schon sehr ans Herz gewachsen. Aber vielleicht freuen sich die Gäste dort auch auf mich, weil es manchmal schon auch sehr lustig werden kann…

Wie oft waren Sie denn schon in Bad Kreuzen und was begeistert sie an diesem Haus?

Ich war 1972 das erste Mal schon kurz nach der Eröffnung in Bad Kreuzen und meinen privaten Aufzeichnungen nach werde ich im kommenden Jahr, schon zum 25. Mal dort sein. Also ein nettes „Silber-Jubiläum“ (lacht). Aber zum Kneippen begonnen habe ich eigentlich in Bad Mühllacken, ebenfalls bei den Marienschwestern. Ich habe auch andere Kneipphäuser in Österreich besucht. Aber ich fahre deswegen so gerne nach Bad Kreuzen, weil einerseits das Haus eine ausgesprochen gute Atmosphäre, geprägt von einer Freiheit,  hat und andererseits, weil  es auf dem Berg oben liegt und für mich freies Atmen bedeutet. Die Sicht vom Balkon aus Richtung Donau ist einfach wunderbar. Und natürlich ist für mich das unaufdringliche spirituelle  Angebot  durch die Marienschwestern und die hohe medizinische Kompetenz von hohem Wert. Ach ja, und zur Kapelle der Schwestern muss man wirklich „aufsteigen“. Das ist ein schönes Symbol für mich.

Wenn Sie in Bad Kreuzen sind, machen Sie dort sicher auch Ausflüge. Wo gehen Sie denn am liebsten hin?

Ich gehe gerne überall zu Fuß hin und liebe es, ins „Stille Tal“ zu wandern. Aber auch der Brucknerweg, der Stelzhammer Weg und der Höhenweg nach Grein haben es mir angetan. Früher habe ich auch den Wanderpass mitgemacht. Das kann ich jetzt nicht mehr. Aber ich hab auch schon das eine oder andere Mal den „luftg’selchten Pfarrer“ in St. Thomas am Blasenstein besucht (lacht). Jedenfalls bleibe ich jetzt schon lieber auf der Höhe von Bad Kreuzen, das habe ich ja in der Form hier im Burgenland und ganz besonders in Eisenstadt nicht.

Kommen wir zur Therapieform „Kneippen“. Was tut ihnen dabei so gut?

Ich habe zum Kneippen schon begonnen während meines Studiums in Rom. Das war Anfang der 60er Jahre. Und in den Ferien hab ich mir gedacht, ich verwende meinen Urlaub dazu, mir etwas Gutes zu tun. Also Kneippen war damals bei weitem für mich keine Therapie, sondern Urlaub, der durch diese wohltuenden Anwendungen Mehrwert erfahren hat. Seitdem vertrete ich den Standpunkt, dass eine Kneippkur eigentlich ein doppelter Urlaub ist. Und beim Kneippen tut mir wirklich alles gut. Jedenfalls alles, was mir die Ärzte empfehlen…

Bad Kreuzen hat in den vergangenen Jahren sein Wirken sehr auf die Traditionelle Europäische Medizin ausgerichtet und umgestellt, gilt als das erste Zentrum für die TEM. Diese hoch seriöse, wissenschaftlich untermauerte und Europa weit einzigartige Entwicklung hat im Gesundheitstourismus in Österreich und Deutschland für viel Interesse gesorgt. Wie haben Sie diese Umstellung miterlebt?

Für mich ist dieser konsequente Weg zur Rückbesinnung auf europäische Werte und Medizin mit all ihren Ausprägungen, von Paracelsus über Hildegard von Bingen bis hin zu Pfarrer Kneipp, ein wirklich bemerkenswerter und guter. Ich habe ja viel mit der ärztlichen Leitung gesprochen und die Philosophie des Hauses hat mir sofort gefallen. Ich habe auch die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin, Anm.) kennen gelernt, war auch gut. Aber mir leuchtet schon ein, dass etwa die Kräuter, die vor unserer Haustür wachsen wertvoller für die Menschen hier sind. Die Traditionelle Europäische Medizin nimmt die natürlichen Gegebenheiten unseres Lebensraumes auf, die in unserem Land für die Menschen üblich und gebräuchlich sind. Ich habe auch schon in Indien Ayurweda probiert. Aber ich habe die Erkenntnis gewonnen, dass ich deswegen nicht nach Indien fahren muss, wenn ich bei uns Kneippen kann und ein noch besseres Ergebnis erzielen kann.

Hat sich für Sie persönlich durch die Einführung der TEM in Bad Kreuzen während Ihrer Kneippkuren entscheidendes verändert?

Ja schon, aber nur zum Positiven (lacht). Also mir gefällt diese Traditionelle Europäische Medizin, weil man im Gespräch mit den Ärzten auf so viele natürliche und im Umkreis natürlich wachsende Kräuter und Heilmittel zurückgreift. Solche, die auch den Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, denen auch ich und all die anderen Menschen ausgesetzt sind. Ich hatte zum Beispiel öfter Probleme mit meinem Knie und der Arzt hat mir empfohlen, wenn ich unterwegs bin und es mich schmerzt, dann sollte ich einige Brennnesseln abreißen und mir das Knie einreiben. Was soll ich sagen: Es hat wirklich gewirkt (lacht).

Bad Kreuzen bietet ja auch viele weitere Therapieformen und Aktivitäten aus der TEM an. Was haben Sie denn da schon mitgemacht?

Besonders gerne mache ich auch beim sogenannten „Tee-Ritual“ mit, wo Frauen kommen und zeigen, wie man die Kräuter und Heilpflanzen, die bei uns wachsen wieder im Gesundheitsbereich anwenden kann. So kann man die TEM auch gleich mit nach Hause nehmen und anwenden. Es ist halt Natur und hat keine Nebenwirkungen. Der Aderlass, der in Bad Kreuzen sich so großer Beliebtheit erfreut, ist aber nichts für mich und die keltische Gymnastik (Wyda, Anm.) mache ich auch eher nicht mit. Aber die speziellen Angebote für die unterschiedlichsten Massagen gefallen mir gut und das Bogenschießen möchte ich vielleicht auch einmal mitmachen. Es gibt übrigens hin und wieder ein ungeplantes „Bischof“-Treffen in Bad Kreuzen. Der Klagenfurter und der Linzer Bischof sind manchmal mit mir im Mühlviertel.

Lieber Herr Bischof, ich danke Ihnen herzlich für das nette Gespräch und wünsche Ihnen schon heute einen schönen, entspannten Aufenthalt 2015 in Bad Kreuzen.

Quelle: Andreas Pangerl, 04.11.2014